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Gar nicht
gut aus "Du siehst heute aber gar nicht gut aus", ließ mich neulich einer meiner Freunde wissen. "So?", erwiderte ich, schaute sofort nachdem ich nach Hause gekommen war in den Spiegel und fühlte mich danach grundlos den ganzen Tag beschissen. Ich vermutete ein tropisches Fieber, das ich mir unter Umständen während meines letzten Schwarzwaldurlaubes hätte eingefangen haben können. Als mir jedoch der Arzt, den ich noch in derselben Nacht aus dem Bett geklingelt und röchelnd zu einem Hausbesuch überredet hatte, bescheinigte, ich sei kerngesund, blieb mir nichts anderes übrig, als mich wieder gut zu fühlen. Seltsam - hatte ich mich etwa durch das Urteil eines anderen beeinflussen lassen? Ein andermal - es war der unglücklichste Tag meines Lebens - bekam ich von einer Freundin zu hören: "Endlich hast du wieder etwas Farbe im Gesicht. So gefällst du mir." Erst vermutete ich, ich hätte mich beim Renovieren meiner Wohnung am Morgen ein wenig bekleckert, verstand dann jedoch, was gemeint war und vergaß blitzschnell, daß mich erst mein Hund und dann meine Freundin, später auch noch mein Auto im Stich gelassen hatten und ohne Vorwarnung verschwunden waren (in dieser Reihenfolge, das Auto vermutlich unter Fremdeinwirkung). Als ich vor kurzem einen Psychologen aufsuchte, den ich um Rat fragte, ob es denn plausibel sei, daß sich die eigenen Gemütssituationen unter dem Einfluß von Freunden oder Bekannten zu wandeln vermochten, versicherte mir dieser, ich würde lediglich Gespenster sehen. Gänzlich entgeistert machte ich mich daraufhin auf den Heimweg, davon bedrückt, daß ich scheinbar unter Wahnvorstellungen litt. Inzwischen habe ich mich mit all dem jedoch bestens arrangiert und eine prima Lösung gefunden. Ich habe mir vorgenommen, mich grundsätzlich scheiße zu fühlen und jeden auszulachen, der versucht, das Gegenteil zu behaupten. Es wirkt.
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Ein
@zend!-Klassiker aus dem November 1998. |
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