![]() |
![]() |
|
|
Newsletter gefällig? Mail eintragen!
|
Mr. Simon
Muzenda und die Globalisierung Heute hat mir Mr. Simon Muzenda einen "Geschäfts-Vorschlag" gemailt. In bestem Deutsch hat er mir mitgeteilt, dass es mich sicher wundert, dass er mir schreibt, wo ich ihn doch gar nicht kenne. Aber er habe eben meine Adresse über das Internet bekommen und er sei der erstgeborene Sohn von Paul Muzenda, einem der bekanntesten schwarzen Farmer in Zimbabwe. Leider ist sein Vater vor kurzem ermordet worden. Aber irgendwie schien der schon was geahnt zu haben, denn kurz vorher hat er seinen Sohn mit nach Johannesburg genommen, wo die beiden Schlawiner doch glatt 8,5 Millionen US-Dollar bei einer privaten Sicherheitsfirma deponiert haben. Und weil Mr. Muzenda selig nicht blöd war, hat er die Kassette mit dem Geld als normales Wertgut deklariert. So ahnt keiner was und außerdem sind die Kosten für die Hinterlegung dann nicht so hoch. Klar. Mr. Simon Muzenda ist dann sicherheitshalber nach Holland geflohen und hat da politisches Asyl beantragt. Der Sicherheit wegen will er nun aber das zurückgelassene Geld doch besser auf ein Konto übertragen. Zu doof, dass Menschen, die politisches Asyl beantragt haben, kein Konto in Holland eröffnen dürfen und auch keine über die holländische Grenze hinausgehenden Transfers abwickeln dürfen. Und dumm auch, dass Mr. Simon Muzenda als der erstgeborene Sohn für die ganze Familie verantwortlich ist. Er muss was tun. Und das ist gar nicht so einfach. Das Geld muss ohne Wissen der südafrikanischen Regierung nach Holland geschafft werden, denn die würde sonst den gesamten Betrag enteignen. Das wäre schlecht, denn dieses Geld ist leider alles, was den armen Muzendas noch geblieben ist. Und deswegen hat sich Mr. Simon Muzenda nun mich ausgesucht. Er braucht nämlich einen Geschäftspartner, dem er voll und ganz vertrauen kann und dem er nicht nur seine, sondern auch die Zukunft seiner ganzen Familie anvertrauen kann. Da ist er natürlich bei mir völlig richtig. Und sein Plan ist wirklich völlig ohne Risiko, wie er mir schreibt. Ich muss jetzt bloß eine Vereinbarung mit der holländischen Niederlassung der Sicherheitsfirma treffen und die hinterlegte Kassette aushändigen lassen. Der alte Muzenda wusste schon, weshalb er sich gleich an einen echten Globalplayer unter den Sicherheitsfirmen gewandt hat. Und dann soll das Geld natürlich gewinnbringend investiert werden. Jetzt wird es auch richtig interessant für mich: Mr. Simon Muzenda bietet mir einen Teil der Gesamtsumme an, wenn ich bereit wäre, mein eigenes Konto für die Transaktion zur Verfügung zu stellen. Oder wir könnten Partner werden und die Summe profitabel in meinem Land investieren. Auch nicht schlecht. Für alle entstehenden Unkosten hat Mr. Simon Muzenda 5% des Gesamtbetrages eingeplant, schlappe 425.000 Dollar. Sollte ich nicht an einer Partnerschaft mit ihm interessiert sein, bietet er mir stolze 10% an. Die verbleibenden 85% wird er für seine Investitionen in meinem Land nutzen. Mein Land würde also schon mal auf jeden Fall profitieren. Gegenüber Dritten bittet mich Mr. Simon Muzenda um absolute Verschwiegenheit. Ich erreiche ihn per Mail oder telefonisch, Gott schütze mich, hochachtungsvoll, mein ergebener Mr. Simon Muzenda. Selbstverständlich werde ich ihm helfen und die Angelegenheit genauso vertraulich behandeln wie die von Mr. Santigi Sankoh, dem Cousin eines Rebellen aus Sierra Leone oder die von Dr. Charles Igho aus dem nigerianischen Ölministerium oder die von Timothy Mobutu Sese-Seko, dem Sohn des Expräsidenten von Ex-Zaire und vielen anderen netten Menschen aus armen Ländern die mich mit ihren fantastischen Geschäfts-Vorschlägen inzwischen sehr, sehr reich gemacht haben.
|
|
||
|
Copyright:
@zend!-Redaktion 2003
|
||||