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Postmodern
Von Barbara Lich

Mein Briefkasten ist weg. Entführt. Ganz heimlich, still und leise. Aber ich weiß, wer das war: die Post selbst. Und mit meinem Briefkasten, der immer so selbstverständlich sonnengelb unter dem Vogelbeer-Strauch hervorlugte und sich dabei sanft an die Hauswand zu schmiegen schien, verschwanden viele andere Kästen auch. Unbestätigten Gerüchten zufolge fungieren die erhöhten Preise für das Versenden von Paketen als Lösegeldforderungen.

Warum die Post all jene Schriftverkehrsammelboxen entfernt hat, wollte sie nicht recht verraten. Wahrscheinlich haben sie zu viel Arbeit gemacht. Weil ihre eigentliche Funktion als reine Landschaftsdekoration unerkannt blieb und sie tatsächlich flächendeckend genutzt wurden.

Die Post hat zunächst auch gar nicht preisgegeben, wo sie zugeschlagen hat. Einem postmodernen Geländespiel gleich darf jetzt nach hinterbliebenen Briefkästen gesucht werden. Und dafür macht das gelbe Unternehmen auch noch subtil und dennoch tolldreist Werbung. Denn heute ziehe ich zwischen der Telefonrechnung und dem etwa dreiundsiebzigsten Brief der GEZ drei Gratiskarten der Post hervor - mit der Aufforderung "Freude verschicken". Aber von wo denn bloß? Mein Briefkasten ist doch weg.

 

 


Kurz vor der Demontage von @zend! fotografiert: ein Original-Briefkasten.



   
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