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Was Sterbende sagen wollen
Von Peer Schader

Eigentlich interessiert es mich einen Scheißdreck, mit welchem Buchstabenmüll andere Leute ihre Zeit verschwenden, obwohl sie stattdessen auch sinnvoll vor der Glotze hängen könnten, um dabei die Abgründe unserer Gesellschaft zu erforschen. Neulich aber, ich saß gerade im Zug von einem langweiligen Ort zu einem anderen und las eine Art Buch (was wirklich nur selten vorkommt), neulich also setzte sich ein Herr mit einer doch etwas merkwürdigen Lektüre auf die Bank mir gegenüber.

"Verstehen, was Sterbende sagen wollen", stand in orangefarbenen Lettern auf dem Titel. Und drunter: "Eine Einführung in die symbolische Sprache", von Elisabeth Kübler-Ross, was tatsächlich nicht erfunden ist.

Das fand ich gleich in vielerlei Hinsicht absurd. Denn abgesehen davon, dass es bereits seltsam genug ist, wissen zu wollen, was Sterbende sagen, wenn sie nur noch wild gestikulierend mit dem herbeieilenden Krankenhauspersonal kommunizieren können, bevor es sie dahinrafft, ist es unglaublich bescheuert, darüber ein Buch zu schreiben.

Was hat Frau Kübler-Ross da wohl notiert? "Fasst sich der von Ihnen betreute Sterbende röchelnd mit beiden Händen an den Hals, ist zu vermuten, dass er unter einer akuten Atemnot leidet" etwa? Überhaupt: Ist es nicht zutiefst inhuman, sich erst für Sterbende zu interessieren, nachdem deren Sprachzentrum längst das Zeitliche gesegnet hat? Kann das Werk von Kübler-Ross gar von Erbschleichern missbraucht werden, die aus der verzweifelten Gestik eines sterbenden Verwandten eine Testamentsänderung zu ihren Gunsten ableiten können?

Sollte man Bücher von einer Frau kaufen, die "nach eigenen Angaben" mal gesagt hat: "Sterben – das ist, wie wenn man bald in Ferien fährt. Ich freue mich unheimlich"?

Im übrigen ist folgende Annahme von Interesse: Wenn es einen Ratgeber gibt, der erklärt, was Sterbende sagen wollen, muss ja wohl auch ein Ratgeber existieren, der Sterbenden vorschreibt, wie sie zu gestikulieren haben, damit die Leser von Frau Kübler-Ross sie auch verstehen. Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt, so kurz vor Schluss.

Bevor ich den Herrn gegenüber all das fragen konnte, war der bereits ausgestiegen. Ich weiß nur noch: Das Buch ist bei GTB Siebenstein Regenscheibe erschienen. Und ich hoffe, dass ich es nie brauchen werde.

 

 


Das ist Elisabeth Kübler-Ross. Sie hat ein seltsames Buch geschrieben und auch sonst recht merkwürdige Ansichten.



   
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