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Eine Queen Mum
für Deutschland

Von Sebastian Wolf

Nun ist es schon fast ein Jahr her, seit der Tod von Queen Mum die Welt erschütterte, die nach Ansicht eines führenden Politikers der Conservative Party die "wichtigste Frau des Jahrhunderts" war (aber welchen Jahrhunderts?). Die deutsche Öffentlichkeit trauerte damals mit einer Hingabe, die eindrucksvoll bewies, dass sie zu uneingeschränkter Solidarität durchaus in der Lage ist, wenn es nur um eine halbwegs gute Sache geht. Der Tod von Johannes Rau würde vermutlich kaum so viele Menschen hierzulande bewegen. Doch gerade in ach so schweren Zeiten wie diesen scheinen die Menschen eine Symbolfigur zu brauchen, die sie hemmungs- und besinnungslos verklären können. Deutschland braucht eine Queen Mum. Denn warum sollten sich nur die Briten an dem Phänomen einer erzkonservativen, steinalten Millionärin auf Staatskosten ergötzen dürfen, die Anfang der 50er Jahre ihr letztes Interview gab und seitdem ausschließlich in Form von geschmacklosen farbenfrohen Kleiderkombinationen mit der Öffentlichkeit kommunizierte?

Um den deutschen Adel ist es indes schlecht bestellt. So kann beispielsweise ein in der Weltgeschichte herumprügelnder und -urinierender Prinz von Hannover schwerlich mit der stilvoll-plumpen Autorität einer Queen Mum mithalten. Da Deutschland auf nicht absehbare Zeit zumindest formal eine Republik bleiben wird, bedarf es ohnehin einer bürgerlichen Queen Mum. Wer eine solche einst küren wird, liegt klar auf der Hand: die BILD-Redaktion. Queen Mums wurden noch nie demokratisch bestimmt, und das Springer-Blatt hat sich im Laufe seines über 50jährigen Bestehens mehr als jede andere Institution darum verdient gemacht, in diesem Land Menschen zu Stars zu machen (und umgekehrt).

Wer käme für diesen verantwortungsvollen Posten in Frage? Jutta Limbach ist zu intelligent, und selbst Rita Süßmuth war Professorin. Eine promovierte Queen Mum: undenkbar. Inge Meysel kommt sicher in die engere Auswahl. Uschi Glas verhält sich zumindest nach Meinung einschlägiger Boulevardblätter volksnah, lässt es aber gerade deshalb an einer gewissen würdevollen Unnahbarkeit fehlen. Allerdings hätte sie im Fall einer Wahl auch noch knapp 50 Jahre Zeit, sich einen anderen Ruf und eine eigene farbenprächtige Kleiderkollektion aufzubauen. Denn Queen Mums werden steinalt und überleben ihre unwichtigen Ehemänner um Jahrzehnte. Das dürfte Uschi Glas freuen. Die Kandidatinnensuche ist eröffnet.

 

 


Deutschland braucht eine Queen Mum. Und so soll sie aussehen
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