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Hurra Hurra im
Radio Es ist ja nicht so, dass man ihnen die Urlaubsreisen nicht gönnen würde, den Frühaufstehern, die morgens zwischen Dusche, Innenstadtstau und der ersten Frühstückspause beim Radio anrufen und erklären, welche Songs in der vergangenen Stunde vom Sender-Jingle unterbrochen wurden, um dafür mit einem Trip nach Papua-Neuguinea belohnt zu werden. Aber es nervt ganz schön, daraufhin den ganzen Tag mit Hurra-Rufen des Gewinners beschallt zu werden. Erst freut sich die Gewinnerin - meist sind es Gewinnerinnen, weil Männer morgens nicht so früh aufstehen, um dämliche Radiojingles zu zählen und bestenfalls marginal daran interessiert sind, vor dem ersten Kaffee mit anstrengend gut gelaunten Moderatoren zu telefonieren. Die Gewinnerin jedenfalls hätte das nie geglaubt, dass ausgerechnet sie heute eine Reise gewinnen würde, das käme ja genau richtig, so ein Urlaub, sie könne es kaum fassen. Als zweites muss sich der Mann freuen, der von seiner Liebsten angerufen wird und mitkommen darf. Natürlich ist das Radio dabei. Und natürlich kann er's kaum glauben. So wie die Oma, die die Kinder für zwei Wochen beherbergen darf, obwohl die ja sonst nur Weihnachten und Ostern freiwillig vorbei kommen. Ganz besonders schlimm ist das Live-Interview mit dem Chef des Büros - und es sind immer Büroangestellte, die morgens im Radio Reisen nach Papua-Neuguinea gewinnen, weil Baggerfahrer so selten Radio hören beim Arbeiten. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, wenn die aber während ihrer Arbeit ständig beim Radio anrufen würden, würde die ein oder andere Baustelle sicher noch länger eine bleiben als geplant. Aber zurück zum Chef, der - Potzblitz! - ganz überraschend von einem anstrengend gut gelaunten Moderator angerufen wird, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seinen Gesprächspartner davon überzeugen zu müssen, dass eine seiner Angestellten sofort Urlaub braucht, weil sie eine Reise nach Papua-Neuguinea gewonnen hat. Dumm bloß, dass die meisten Chefs überhaupt nicht überredet werden müssen, sondern sofort einwilligen. Als morgendlicher Höhepunkt ist das gemeinsame Feiern mit den Arbeitskollegen zu werten. Wenn zwanzig Büroangestellte sich in ein kleines Zimmer mit vertrockneten Topfpflanzen pressen, um gemeinsam in einen Telefonhörer zu schreien, wie glücklich sie sind, dass ihre Kollegin (und nicht etwa sie selbst) die Reise gewonnen hat, ist das nicht nur ziemlich hohl, sondern eben auch eine gute Gelegenheit, die Mittagspause auszuweiten. Neulich hat eine junge Frau gewonnen, die nicht in einem Büro arbeitet, aber einen Bauernhof besitzt. Man konnte förmlich hören, wie der Moderator vor Ekstase ins Mikrofon jauchzte. Schnell hat sich herausgestellt, dass die Schwester der Gewinnerin übergangsweise den Hof führen wird. Der Sender hat sofort eine Mitarbeiterin hingeschickt. "Um zu helfen", hieß es offiziell. Und um dämliche Reportagen vom Bauernhof zu senden, einem der letzten unentdeckten Orte unserer zivilisierten Welt. Mit einem Mal war sogar Papua-Neuguinea vergessen. Bis zum nächsten Morgen jedenfalls.
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