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Bahn für Bahn zum Exitus
Von Nils Göbel

Wenn man winters bibbernd hinter dem Ofen verschimmelt kann einen zuweilen das laue Gefühl überkommen, man müsse seinen Körper ertüchtigen. Zum Beispiel im Schwimmbad. Man kann ein kleines Jauchzen nicht unterdrücken bei dem Gedanken, wie man dort gemächlich doch kraftvoll eine 50-Meter-Bahn nach der anderen schwimmt. Und so wird flugs die Badehose in ein kleines, eigens dafür bereit stehendes Köfferchen gepackt, nebst der neuen Schwimmbrille, die man extra für solche Zwecke erworben hat.

Der ermäßigte Eintritt für Studierende wird lächelnd bezahlt und man macht sich auf die Suche nach einer Umkleidekabine. Nach einigem Warten wird dann auch noch eine frei und beschwingt gelangt man nach einer erfrischenden Dusche in die heiligen Hallen der Wassersüchtigen. Man sieht noch mal gnädig darüber hinweg, dass der Platz sehr beschränkt ist und man natürlich keine eigene Bahn beanspruchen kann.

Doch wie soll man einen meditativen Zustand körperlicher Ekstase erlangen, wenn sich in einer Ecke im Planschbecken eine wildgewordene Meute zu trommelnder Musik in rhythmischen Bewegungen ergeht, als wären sie - man verzeihe mir den mit der Übertreibung augenzwinkernden Vergleich - als wären sie allesamt Akteure in einem schwarzweißen Stummfilm der Zehner Jahre des vergangenen Jahrhunderts, den Jürgen Vogel auch noch mit doppelter Geschwindigkeit abspielt.

Beim ersten Eintauchen ins Becken ist man noch erstaunt über die Sehkraft, die einem eine Schwimmbrille verleiht, doch als man dann die schwimmenden Schwebstoffe im Wasser entdeckt, kann man sich eines Prustens nicht erwehren. Schnell erkennt man, dass man keineswegs über die hüpfende Horde zu grinsen hat, denn ein solches würde die Zähne dergestalt verunreinigen, als hätte man ein Stück Mohnkuchen gierig verzehrt. "Piscina" lautet die spanische Vokabel für Schwimmbad und vor allem die erste Silbe "Piss" hat hierbei entlarvenden Charakter.

Als man dann die erwogenen 60 Minuten auf dreißig gekürzt hat und diese Zeit in der wässrigen Vorhölle verbracht hat, begibt man sich erneut auf die Irrfahrt nach einer freien Umkleidekabine. Wie froh war ich, als ich dann endlich wieder im Foyer stand, wo geräuschvoll die Harrtrockner surrten. Zu meinem geringen Glück befand sich da auch ein Fön an meiner Seite, der nicht belegt war aber dennoch surrte - nur für mich. Trotz Kurzhaarfrisur stellte ich mich darunter, denn man soll die Kälte nicht unterschätzen und den Anfängen eines grippalen Infektes wehren.

Gefönt trat ich ins Freie und der eisige Windhauch, der mir ins Gesicht wehte, erschien mir wie ein Befreiungsschlag im Gegensatz zu dem Plärren unzähliger Kinder. Ich konnte gerade noch die Rücklichter des soeben abgefahrenen Busses erkennen, der mich hastdunichtgesehen vor meiner Haustür abgesetzt hätte. Mein erster Gedanke war, dass mir das nicht passiert wäre, wenn ich nicht auf den Fön gehört hätte. Mein zweiter Gedanke war, wem ich gewinnbringend eine Schwimmbrille verkaufen könnte.

 

 


Überall lauert der Tod - äh - Kot. Auch in harmlosen Schwimmbädern wie dem @zend!-Privatpool, der auf unserem obigen Bild
zu sehen ist.



   
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