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Die Achse
des Blöden
Von Peer
Schader
Längst wissen wir,
wo das Böse zuhause ist. Das Böse, so steht's jedenfalls täglich in den
Zeitungen und auf dem Merkzettel des amerikanischen Präsidenten, wohnt
im Irak, im Iran und eventuell auch in Nordkorea. Eigentlich aber stimmt
das gar nicht - und ist bloß eine Ablenkung. Denn solange
sich alle Welt Gedanken darüber macht, ob der konfliktwütige
US-Chef George W. Bush demnächst wieder einen Krieg vom Zaun bricht,
bleibt die wahre Bedrohung im Dunkeln. Die Bedrohung durch die Achse des
Blöden! Und die ist genau abgegrenzt: Washington - Wien - Wolfratshausen.
Drei der @zend!-Redaktion
vorliegende Briefe belegen die Gefährlichkeit der dort agierenden
Staatsmänner. An dieser Stelle veröffentlichen wir Auszüge.
Washington
Elektronische Mitteilung, Januar 2002, versendet mit Microsoft
Outlook, abgefangen vom Virenscanner unseres USA-Korrespondenten Peter
Smith
Sehr geehrter Dr. Starbucks,
leider muss ich unser für kommende Woche geplantes Abendessen absagen,
da ich mich kürzlich schlimm an einem Laugengebäck verschluckte.
Seitdem wird in den Medien gespottet, ich sei nicht einmal fähig,
selbstständig zu essen. Um weitere Missgeschicke dieser Art zu vermeiden,
lasse ich mich derzeit künstlich ernähren. Keine angenehme Sache,
sag ich Ihnen. Vor allem, weil meine Frau Ewigkeiten benötigt, um
die Texas-Steaks kleinzukauen bis sie in den Schlauch passen. Ich bin
jedoch der festen Überzeugung, dass diese Maßnahme bald beendet
werden kann, vielleicht treffen wir uns dann auf einen Milchreis in einem
ihrer Cafés.
Es grüßt Sie herzlich,
G.W.B.
Wien
Päckchen mit Brief, Februar 2002, getippt auf einer deutschen
Schreibmaschine aus den 30er Jahren, abgefangen vom österreichischen
Geheimdienst
Lieber Osama,
leider muss ich unser für kommende Woche geplantes Kaffeekränzchen
absagen. Mein Besuch in Bagdad hat meine politischen Kontrahenten misstrauisch
gemacht. Sogar einige meiner engsten Gefolgsleute haben sich aufgeregt,
dass ich ein bisschen mit Saddam geplaudert habe - dabei haben wir uns
doch so lange nicht mehr gesehen. Ich musste denen glatt versprechen,
mich künftig ganz und gar aus der Bundespolitik rauszuhalten, damit
das Theater nicht noch weitergeht. Wie du siehst, wäre es derzeit
recht unklug, unser Treffen wahrzunehmen. Dauernd schnüffeln mir
diese Reporter hinterher. Anbei sende ich dir als Entschädigung eine
Schachtel feinster Pralinés. Ich hoffe, wir sehen uns bald. Besuch
mich doch wie vergangenes Jahr in meinem Kärntner Sommerhaus.
Dein Jörg.
Wolfratshausen
Brief, Januar 2002, handgeschrieben in altdeutscher Schrift, aus
Versehen abgefangen von Gustl Worschtsepp, Postbote Dienststelle Wolfratshausen
Liebe Angela,
leider muss ich unser für kommende Woche geplantes Frühstück
bei mir absagen. Mein Enkelsohn ist krank und auch ich habe mir schon
einen schlimmen Husten geholt. Wahrscheinlich war's gestern trotz der
Sonne noch ein bisserl zu kalt für die Lederhosen. Ich schlage vor,
dass wir den Ärger um die Kandidatenfrage endlich beilegen und du
das dieses Jahr machst, damit der Roland in vier Jahren eine ernsthafte
Chance hat. Lassen wir den Schröder ruhig noch ein Weilchen regieren,
der richtet sich damit schon selbst zu Grunde. Und den Rest besorgen seine
Genossen.
Pfüati,
Edmund.
PS: Wollen wir das mit der Kölner Spendenaffäre jetzt schon
in die Medien bringen oder erst im März?
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Es grüßt der brave Haidermann, so dumm, weil er's nicht anders
kann.
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