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"Nie war Bahnfahren so günstig."
Nie war die Deutsche Bahn so witzig. Und effektiv.

Man weiß nicht genau, was sie will, die Deutsche Bahn AG. Wenn die Privatisierung mehr Effektivität bringen sollte, so ist dies sicher gelungen. Nie vergraulte die Bahn so viele Angestellte und Kunden in so kurzer Zeit. Den schlechten Ruf des Staatsunternehmens hat die privatisierte Bahn konsequent und zielstrebig ausgebaut, ohne natürlich die Defizite in nennenswerter Höhe abzubauen. Das verdient Respekt.

Wie wurde die Deutsche Bahn so effektiv? Sie bediente sich des wirkungsvollsten Mittels. Schnell erkannte die Bahnführung, dass Zugverspätungen, schlechte Anbindungen, unfreundliches Personal und versiffte Wägen nicht ausreichen würden, um binnen kürzester Zeit viele überzeugte Bahnfahrer zu vertreiben. Am effektivsten ist stets das Drehen an der Fahrpreisschraube.

Der ohnehin masochistisch veranlagte Bahnfahrer nimmt im Zweifelsfall jede Qual auf sich, nur möchte er keine unsäglichen Summen dafür bezahlen. Nachdem diese Lektion gelernt war, wurde sie konsequent umgesetzt.

Ein Beispiel: Noch vor wenigen Jahren konnten mit dem Wochenendticket fünf Erwachsene ein ganzes Wochenende lang für 35,- DM unterwegs sein. Heute gestattet die Bahn zwei Erwachsenen (plus ein bis drei Alibikindern) Herumreisen an einem Tag für 40,- DM. Das macht, rechnet man es auf einen Erwachsenen an zwei Tagen hoch, eine Fahrpreissteigerung von 7,- auf 40,- DM. Von dieser Preispolitik können sich die Ölkonzerne noch eine Scheibe abschneiden.

Vielen Effizienzstrategen in der Führungsriege der Bahn AG war die Bahncard schon seit längerem ein Dorn im Auge. Nicht wenigen Deutschen galt sie immer noch als Grund zum Bahnfahren. Ein harter Kern verbohrter Bahnkunden schien sich nicht von der Bahn abbringen zu lassen. Mit dem Vorhaben, die Leistungen der Bahncard zu beschneiden, zieht die Bahnführung die notwendige Konsequenz aus der Tatsache, dass die Bahn immer noch nicht zahlungsunfähig ist.

Aus dem Umfeld von Bahnchef Mehdorn heißt es, nur so könne man die letzten Idealisten aufs Abstellgleis oder eben gleich auf die Straße befördern. @zend! unterstützt die neuesten Pläne der Bahnführung und glaubt zugleich, dass diese nicht weit genug gehen.

Um tatsächlich alle hartnäckigen Bahnfahrer in die Staus auf den Autobahnen zu treiben sind weitere Maßnahmen nötig. @zend! schlägt deshalb vor:

  • Schluss mit dem kostenfreien Abholen von Verwandten und Freunden am Bahnhof. Abholer müssen künftig eine Bahnsteiggebühr von 20 Mark pro Tag zahlen. Mit der Bahnsteigcard gibt es allerdings Ermäßigung, sofern die Abzuholenden älter als 80 Jahre sind.
  • Der Kaffee im ICE ist zu billig. Statt fünf werden künftig zwölf Mark für das Pulvergesöff (0,3 Liter) verlangt.
  • Stehpisser in den Bahn-WCs zahlen eine Strafgebühr von 100 Mark pro daneben gegangenem Zentiliter. Zur Überprüfung ist die Installation von Kameras auf den WCs notwendig.
  • Es ist nicht erlaubt, Gepäck mit in den Zug zu nehmen.
  • Selbstmörder, die sich vor einen fahrenden Zug werfen, müssen eine Strafgebühr von 1.000 Mark entrichten.
  • Selbstmörder, die sich vor einen stehenden Zug werfen, zahlen die Reinigung ihrer Kleider künftig selbst.
  • Aus Kostengründen werden die Zugdurchsagen künftig nicht mehr von Zugführern mit verschiedenen furchtbaren Dialekten durchgegeben. Sächsisch reicht völlig aus.
  • Ein Teil der Fahrkartenerlöse wird zur Finanzierung der Sächsisch-Schulungen für die Zugführer verwendet.

Diesmal wird es klappen, Bahnfahren völlig zu diskreditieren! Machen Sie mit bei unserer Email-Aktion und schreiben Sie der Deutschen Bahn AG, für wie wirkungsvoll Sie diese Pläne halten. Kopieren Sie die obigen Forderungen und weisen Sie auf unsere Aktion hin. Gemeinsam schaffen wir es: Runter von der Schiene, rauf auf den Asphalt.

 

 

Windige Zeiten für die Deutsche Bahn. Foto: DB
Die Bahn dreht an der Preisschraube. Und @zend! findet: Das ist noch nicht genug..


Sebastian Wolf und Peer Schader, beide genervte @zend!-Autoren und hauptberuflich Bahnfahrer, wollten sich schon immer mal als DB-Manager aufspielen.

   
Copyright: @zend!-Redaktion 2001