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Mein Leben
nach dem Girlscamp Ich hätte wissen müssen, dass meine Mission unerfüllbarer als die sieben Aufgaben des Herkules war. Die Damen im "Girlscamp" dazu zu bringen, interessante Gespräche zu führen und Sat.1 eine neue, intellektuelle Zielgruppe als Publikum zu erschließen - warum nicht gleich die Erde dazu bringen, sich in die entgegengesetzte Richtung zu drehen? Bratzenbaracke, Friseusenkommune, Kreisch-Gulag, Tussen-WG - was ich in den Medien über das "Girlscamp" gehört hatte, war gerade zu harmlos im Vergleich zur harten Realität: Hier hatten tatsächlich elf Frauen und ein Transvestit tagaus tagein nichts Besseres zu tun, als sich die Nägel zu lackieren, ihre Fußkettchenanhänger an die richtige Stelle zu rücken und immer wieder fürchterlich zu heulen und zu schreien, während sie darauf warteten, dass der Mann ihres Lebens als "Boy of the week" in die WG kam, mit ihnen dann ein einzigartiges, großes Love-out vollzog und sie von der Insel entführte wie im Märchen der Prinz das Dornröschen aus dem Schloss. Die Haustiere der Damen - Ziegen, was sonst? - konnten von Glück sagen, wenn alle zwei Tage mal jemand an sie dachte und sie fütterte. An Gespräche war nicht im Entferntesten zu denken. Meine Versuche, über irgendetwas anderes als schlecht sitzende Bikinioberteile oder schief gezupfte Augenbrauen zu sprechen, schlugen von Anfang an gänzlich fehl. Als ich meine Sonnencreme auspackte, bahnte sich einen Moment lang eine Diskussion über vorzeitige Hautalterung und Krebs durch übermäßiges Sonnenbaden an, die jedoch von den Lachkrämpfen, die eine meiner Mitbewohnerinnen wegen meines hohen Lichtschutzfaktors bekam, schnell beendet wurde. Abends sah man sich gemeinsam Videos an, mit denen sich junge Männer aus Deutschland zu den Damen auf die Insel beworben. Drei Tage nach meiner Ankunft kam wieder ein Kandidat an, Andi aus Bottrop. Er sei froh, dass er jetzt da sei, denn in Bottrop habe ihm seine schwangere Exfreundin so einen Stress gemacht, bekannte er erleichtert. Da ungefähr setzt meine Erinnerung aus. Irgendetwas muss passiert sein, denn aufgewacht bin ich im Krankenhaus. Ich meine, die Krankenschwestern irgendwas mit Nagelfeilen-Amoklauf tuscheln gehört zu haben und die Kollegen haben unaufgefordert ihre "Girlscamp"-Bildschirmschoner und -Mauszeiger auf der Stelle von ihren PCs gelöscht, als ich heute morgen unangekündigt zum ersten Mal wieder in der Redaktion auftauchte...
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Caroline
Mißbach ist seit ihrem Abenteuer im "Girlscamp" als
tapfere Außenreporterin für @zend! ausgeschieden und
leistet nun Innendienst. Zudem wurden ihr aus tatsächlich berechtigtem
Anlass die Manikürewerkzeuge entzogen. |
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