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Editorial im Juni
Von Peer Schader

Als ich neulich morgens auf meiner Parkbank vor unserem Ludwigshafener Bürogebäude von einer Kehrmaschine aus meinen süßen Träumen gerissen wurde, fiel es mir wieder ein: Es ist Krise! "Es ist Krise!", sagte ich zu dem Obdachlosen, der auf der linken Bankseite lag und die Nacht über gehörig geschnarcht hatte. Und dann: "Mach dich nicht so breit."

Ich drehte mich noch einmal herum, es war erst kurz nach zwölf und meinen Arbeitstag in der Redaktion begann üblicherweise gegen halb zwei, wenn die anderen bereits kräftig geschuftet hatten. Als ich da so vor mich hinlag wurde ich nachdenklich und dachte: Zum ersten Mal hast du alles im Leben richtig gemacht. Es war Krise, den Tageszeitungen im Land ging es schlecht und Online-Portale verschwanden schneller wieder vom Markt als die Putzfrauen aus unserem Büro. Allen ging es schlechter - nur @zend! ging es kontinuierlich schlecht.

Das Magazin schrieb weiterhin tiefrote Zahlen, die Zugriffe stagnierten schon seit Monaten und die Redakteure waren mies gelaunt wie immer. Nichts hatte sich verändert. Ein gutes Gefühl. Kurz dachte ich daran, wie demütigend es gewesen wäre, von einem Konkurrenten übernommen zu werden. Aber soweit war es nie gekommen. @zend! lief so schlecht, dass uns nicht einmal die fehlende Fusionskontrolle im Online-Markt etwas anhaben konnte. Ich war glücklich. Wir hatten es geschafft.

Hochmotiviert verließ ich meine Bank, fand den Schlüssel zu meinem Apartment, den ich am Tag zuvor Stunden gesucht hatte, in meiner Hosentasche und schlurfte wie jeden Tag unrasiert in den elften Stock. Unser neuer Setzer Nils ließ sich wieder viel Zeit mit seiner Arbeit und trank geduldig ein Tässchen Grünen Tee, während er die Buchstaben aus dem günstig erstandenen "Scrabble"-Spiel herauskramte, abfotografierte und in die Website einbaute. Ich blieb ruhig. Kollege Riedel war bereits seit Wochen in Urlaub, wollte aber immer allein gelassen werden, wenn man wie jetzt Frl. Mißbach an seine Bürotür klopfte. Nicht einmal die Tasache, dass mein Co-Chef Wolf schon wieder den Bildredakteur entlassen hatte, konnte mich aufregen.

Fröhlich summend schmiss ich den Computer erst an und dann vom Tisch, damit ich erneut die junge Dame vom PC-Notruf anrufen konnte. Vielleicht würde ich sie heute Abend mal auf die Parkbank einladen.

Ihnen, liebe Leser, wünsche Ich jedenfalls gute Unterhaltung bei der neuen Ausgabe unseres stets pleitegefährdeten, aber ziemlich unabhängigen kleinen Magazins.

PS: Ein besonderer Lesetipp zum Schluss. Die @zend!-History wurde aktualisiert. Lesen Sie doch mal wieder rein.

 

 


Allen geht's schlechter, nur @zend! geht's schlecht. Grund genug, ein bisschen auf der Parkbank rumzuliegen.


   
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